Stippvisite der bürgerlichen Moral

Die Sonne scheint auf die gut gelaunten Besucher beim siebten Folsomfest – wie immer geht es um Fetisch, um Toleranz, um Aufklärung und den Abbau von Vorurteilen.

An den Eingängen bitten die Schwester des Ordens der Perpetuellen Indulgenz und andere Berliner Gruppen wieder um eine Spende, um Förderprojekte zu unterstützen.

FOLSOM EUROPE hat dank seiner Besucher und ehrenamtlichen Helfer in den ersten fünf Jahren rund 50.000 Euro an Spenden an seine jährlich wechselnden Förderprojekte verteilen können.

Es ist Europas größtes Leder- und Fetischevent. Fast 20.000 Menschen genießen die nachbarschaftliche Atmosphäre mit Essens- und Getränkeständen, Verkaufs- und Informationsständen und lauschen der Musik angesagter Europäischer DJs.

Aber etwas ist dieses Jahr anders: Plötzlich regnet es, und einige Kostüme sitzen schlecht – mit teils ausdrucklosem, teils hasserfülltem Blick marschiert die „Ordnungsmacht“ auf. Es ist unsere steuerfinanzierte Verwaltung, die sich im Ausbruch aus der Langeweile übt und wohl auch im Bewusstsein des ihnen stets versagten Ansehens wenigstens nach Aufsehen lechzt.

Nun fordert Ignoranz Toleranz immer in besonderem Maße heraus und so versuchen wir zu verstehen, warum die seit Jahren erfolgreiche Kampagne der Deutschen Aidshilfe gerade die Berliner Sittenwächter auf den Plan ruft. Oder warum die Kunstwerke des bekannten Zeichners Sepp of Vienna den Moralwächtern missfallen.

Man sagt unserer Hauptstadt ja immer mal wieder nach, sie sei provinziell, und unsere Ordnungsbeamtinnen tun ihr bestes dem Image der Hauptstadt zu entsprechen.

Auch die Feuerwehr macht ungelenke Fahrübungen just an diesem Tag auf der Folsom-Hauptstraße. Souverän war immerhin der Umgang der Festbesucher mit so offen zur Schau getragener Intoleranz.

Wir werden weiter leben, wie wir wollen. In Freiheit. Save Fetish!

Zucht und Ordnungsamt in der Raucherpause