Transgenialer CSD 2010 (C) Schwarzrosagold

Wir haben das zum Anlass genommen die superindividuelle megakommerzielle Neon Kollektion zu gestalten...

Nach Judith Butlers Ablehnung des ihr angetragenen Preises auf dem ersten, “großen” CSD und Ihrer ausdrücklichen Lobpreisung des so genannten Transgenialen CSD in Neukölln und Kreuzberg war die Aufmerksamkeit auf die innerschwulen Reibereien statt die Gemeinsamkeiten gelenkt. Für kommerziell hielt sie den CSD, zu wenig politisch und einige der Veranstalter gar für rassistisch.

Es mag auch kommerzielle Interesse geben,  wenn Unternehmen wie IKEA mit einen guten Diversity Management mitmachen, aber es zeugt sicher von mehr Toleranz als Butlers Diffamierungen. Und dass bei 600.000 Teilnehmern eine gewisse Menge Mainstream-Schwuler zu Mainstream-Musik in schwulem Mainstream-Outfits getanzt wird, nun gut. Kommerzialismuskritik ist sicher an manchen Enden der Gesellschaft angebracht. Aber das die vielen “unpolitischen, spießigen, Mainstream-Schwulen” sich zeigen und demonstrieren, dass es immerhin 600.000 sind, ist auch ein politisches Statement. Jan Federsen beschreibt auf taz.de, wie die schwule Befreiung nicht wegen, sondern trotz der Judith Butlers gelingen konnte.

Der harte Rassismus-Vorwurf an den großen CSD aber ist krass und regt viele auf. Wenn man den Aufruf zum ach so politsischen Transgenialen CSD liest, wo in Schwarz-Weiß Denken ein so platter Rundumschlag gemacht wird, dass . sich die meisten, mit denen wir auf dem Kreuzberger CSD sprachen, wohl mit dem Fest, nicht aber mit den Parolen identifizieren konnten und deshalb auch nicht an der eigentlichen Demonstration teilnahmen. Das dämmerte wohl auch den anonymen Verfassern, als sie danach kurzerhand das Manifest von der Webseite entsorgten.

Butler hat ihre Vorwürfe in einem Interview auf taz.de mit dem Chefredakteur der MÄNNER konkretisiert. Man dürfe nicht auf den ethnischen Hintergrund homophober Gewalt hinweisen, das sei rassistisch, man dürfe Homophobie nur im großen ganzen sehen, nur wenn man auch die böse CDU, die katholische Kirche und die Rechtsextremen erwähne.

Dass die katholische Kirche homophob ist, erklärt sie fast täglich selbst, dass die CDU kein Hort queerer Kultur ist sollte nicht überraschen. Aber kein Schwuler wird von einem radikalen Messdiener nachts im Park angegriffen und homophob ist die offizielle Merkel-CDU wahrlich auch nicht mehr.

Aber dass körperliche und verbale Angriffe in den Großstädten, dort wo viele Schwule und Lesben und Transsexuelle leben, neben manchen Skins hauptsächlich von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verübt werden, ist die Art von Homophobie, die für viele eine konkrete Bedrohung für Leib und Leben bedeutet. Und etwa nicht wenn irgendein greiser Kardinal sich schwadronieren lächerlich macht

Dass genau diese Form Homophobie nicht angegangen werden dürfe, aus Gründen einer Political Correctness, empfinden viele als gefährliche Ignoranz.

Im Islam, genau wie im Christentum zählt Homosexualität nicht zu den großen Tugenden. Aber in den kritisierten Studien gibt es Hinweise auf eine Verbindung zwischen gesteigerter Homophobie  und größerer Religiösität, auch bei Jugendlichen mit osteuropäischem Hintergrund, aber vor allem bei Jugendlichen mit einem islamischen Hintergrund.

Damit muss sich auseinander gesetzt werden dürfen und damit muss sich gemeinsam mit den islamischen Gemeinden auseinandergesetzt werden. Das ist nicht rassistisch und das ist nicht islamophob.
Diskriminierende Tendenzen innerhalb der LGBT-Szene mag es geben, aber die haben andere Gründe. Und die Teilnehmer des großen CSDs mit dem rassistischen Bezeichnungen „Weiße Schwule“ zu beschimpfen bringt mit Sicherheit nicht viel.

 

Transgenialer CSD 2010 (C) Schwarzrosagold

Transgenialer CSD 2010 (C) Schwarzrosagold